|
- - - - - - - - - - - - -
Bühne: UNIDRAM 2001
von Claudia Frenzel
Potsdam taucht ab in seine kleine Theaterwelt und ist plötzlich ganz groß. Zum achten Mal kommt Potsdam diesen Monat wieder in den Genuss eines einzigartigen Theaterfestivals. UNIDRAM das Festival, wenn es um experimentelles Theater aus Ost- und Westeuropa geht, öffnet am 17. Juni wieder seine Pforten.
Kuschelig ging es oft zu beim letzten UNIDRAM, oft wollten mehr Besucher in die Vorstellungen, als Plätze da waren, aber es wurde, gequetscht so gut es ging. Nicht selten spielten Gruppen am Abend gleich zwei Mal, damit jeder auf seine Kosten kam. Es schien fast so, als hatten alle schon lange auf dieses Festival gewartet. Und es schien auch so, als würde ein Flecken der Stadt abtauchen in seine eigene Theaterwelt. Und trotz dieses Erfolges mussten die Initiatoren des Festivals, Franka Schwuchow, Thomas Poesl und Jens-Uwe Sprengel auch in diesem Jahr lange hausieren, bis das achte UNIDRAM finanziell halbwegs sicher stand. Aber trotz dieser Probleme hat man in diesem Jahr ob der vielen erwarteten Theaterfreunde nicht nur größere Räume gesucht und von vornherein Mehrfachaufführungen geplant, sondern auch erstmals ein Vorverkaufssystem eingeführt. Fast doppelt so viele Kapazitäten wie im vergangenen gibt es in diesem Jahr. 100 Theatermacher aus 12 Ländern werden erwartet. Aus 150 Bewerbungen wurden 15 Inszenierungen ausgewählt. Neben vielen kleinen Highlight steht mit der Gruppe "Forced Entertainment" aus Sheffield auch eines der großen auf dem Programm. Damit schafft es nach einem bereits lange bestehendem Kontakt "eine der führenden Gruppen Europas", wie Jens-Uwe Sprengel, zuständig für die Pressearbeit und Degater 87-Schauspieler findet, endlich nach Potsdam. Es ist eine Gruppe, "die unsere eigene Arbeit sehr stark beeinflusst hat", sagt Jens-Uwe Sprengel. "Es ist eine Gruppe, wie wir sie bisher noch nicht hatten, das ragt schon heraus." "Forced Entertainment" werden ebenso wie "Akademia Ruchu" aus Warschau auch einen Workshop anbieten. Die Workshops bilden einen Kernpunkt des Festivals, wie auch das muttersprachliche Dolmetschen für die Mitwirkenden. Sie bestärken mit persönlichem Erfahrungsaustausch den Kommunikationsgedanken des Festivals. Die Tatsache, dass alle Gruppen eine Woche in Potsdam bleiben, führt zu einem regen Austausch nicht nur untereinander, sondern auch mit den Gästen. Im UNIDRAM-eigenen "Theater-Nacht- Café" hat sich schon so mancher die Nacht um die Ohren geschlagen. Neben den erstklassigen Theaterproduktionen werden aber auch musikalische Leckerbissen geboten. Das UNIDRAM-Bergfest bestreiten passenderweise die Schweizer Stimmakrobaten "Stimmhorn". Ein treffender Name für eine Gruppe, die Alpörner wie Didgeridoos spielt und einen Sänger, der Obertongesang mit Jodeln verbindet. Das Ganze ist mit ordentlich alpländischem Humor gewürzt.Den Abschlussakzent setzen die St. Petersburger "Markscheider Kunst". Die afrikanisch-russische Band verbreitet mit Ska, Reggae und Worldsounds etwas Urlaubsflair. Das werden die Veranstalter und Mitwirkenden gebrauchen können. In Potsdam wird man am Ende den multikulturellen und weltoffenen Hauch wohl wieder etwas vermissen dürfen.
- - - - - - - - - - - - -
|
|
|
- - - - - - - - - - - - -
"events", 06/2001
- - - - - - - - - - - - -
|