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Auftakt des Festivals für Off-Theater: Eröffnungsparty im Al Globe
Explodierende Würstchen
von Annika Grimme

Mit Essen spielt man nicht! Diese Ermahnung weist so manche kindliche Phantasie in ihre Schranken und ist sicherlich auch an russischen Esstischen nicht selten zu hören. Grund genug also für Maxim Issaev und Pavel Semchenko, Würstchen in die Luft zu sprengen, sich Brote vor den Hosenstall zu schnallen und ihren DJ mit Äpfeln zu bombardieren. Was die beiden bärtigen Russen auf ihrer Party-Performance so alles veranstalten, ist absurd, manchmal provokativ - aber trotz heftiger Ausbrüche nicht wirklich bösartig.

Mit dem Auftritt der Künstlergruppe Axe aus St. Petersburg wurde Unidram 2002, das neunte Osteuropäisch-deutsche Festival für Off-Theater in Potsdam, am Sonnabend im Al Globe eröffnet. Die St. Petersburger sind bereits das dritte Mal bei Unidram dabei. Nach zwei Theaterstücken steht in diesem Jahr Plug i Play auf dem Programm, ein mobiler Clubabend, wie es die Gruppe nennt. Die Zuschauer im Al Globe sind sich nicht immer sicher, was es damit eigentlich auf sich hat: Beobachten sie hier zwei wahnsinnige Wissenschaftler in ihrem selbst gebastelten Labor oder sind das Jungs, die in der altmodischen Küche ihrer Babuschka ein bisschen Quatsch machen? Ständig werden aus einer Box merkwürdige Tüten mit noch merkwürdigeren Inhalten ausgepackt, Konstruktionen aus Glühbirnen und Schläuchen etwa und Flaschen mit unbekannten Flüssigkeiten, die dann getrunken, verspritzt und abgefüllt werden. Während der eine selbstvergessen herumhantiert, malt der andere an einem großen Kreidebild weiter - immer abwechselnd. Zwei Gesichter entstehen, werden durch Wischen und Nachzeichnen ständig verändert. Immer mehr Arme kommen dazu, die Spiegel halten oder dem Gegenüber einen Fisch in den Mund stopfen. Essen ist eben ein zentrales Thema von Axe, genau wie die Zerstörung: Glühbirnen zerbersten bei dem Versuch, sie festzunageln oder werden mit Katapulten ausgeschossen. Diese destruktive Energie richtet sich auch gegen den eigenen Körper der Akteure, die Flammen an ihren Händen züngeln lassen und sich kochend heiße Gläser auf die Stirn setzen. Doch niemals gleitet die Performance vollständig ins Düstere: Das Ganze ähnelte einer Stummfilmkomödie, wäre da nicht der treibende Elektrosound von DJ Andrej Sizintsev. Die Tobereien auf der Bühne sind von einem absurden Witz, einer sympathischen Verrücktheit. Nur in Deckung muss man mitunter gehen: Bei den wilden Experimenten werden nicht nur die Darsteller getroffen.

Mit Kriwi geht es dann auf der anschließenden Eröffnungsparty etwas ruhiger weiter: Die weißrussische Band spielt eine Art NewFolk und kombiniert kehligen Gesang mit alten Instrumenten wie Drehleier und Mandoline.

Als DJ Delta später übernimmt, steht jedoch immer noch eine Frage im Raum: "Was sind das eigentlich für Spritzer auf meiner Hose?" Doch um jetzt auf russisch mit den Axe-Performern über die richtige Fleckentfernung zu diskutieren, ist der Abend schon viel zu weit fortgeschritten.

Unter www.unidram.de gibt es das komplette Festivalprogramm.
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"PNN", 02.06.2002
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