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Potsdamer Party-Könige
unidram 2002 zeigt anregendes Gegenwartstheater
von Tom Mustroph
Jahrelang schon werkeln Vladimir Kaminers echte und falsche Russen in Berlin am Bild vom osteuropäischen Party-König; jahrelang bereits überrascht das Potsdamer Festival "unidram" sein treues Publikum mit immer neuen Perlen vor allem der osteuropäischen Theaterszene. Jetzt, fusionieren der metropolitane Russenhype und das vorstädtische Theateridyll endlich zum ultimativen Osteuropa-Kultur-Event: Immerhin bestreiten die Balalaika- und Akkordeon-Punker von "Apparatschik" sowie der aus dem Kaffee Burger bekannte Auflegewitsch Rajewsky die Eröffnungsparty am 2. Juni. Wer "unidram" allerdings schon länger kennt, weiß, dass das Festival diese spektakuläre Unterstützung gar nicht nötig hat. Feste konnten die Leute um die Potsdamer Off-Gruppe "DeGater ´87", die "unidram" seit neun Jahren organisieren, schon immer feiern. Die legendäre "Piroggen-Party", bei der die Theatermacher, ihre Techniker und ihre Übersetzer landestypische Gerichte kochen, ist auch in diesem Jahr wieder im Programm. Und weil das Feiern so viel Spaß macht, haben die Gastgeber von "DeGater ´87" vor das eigentliche Festival noch einen "Rein-Feier-Abend" geschaltet. Für den "Völkerball" sind neben den weißrussischen Musikern von "KRIWI (NewFolk und Avantgarde) vor allem die Performer von "AXE" (St. Petersburg) zuständig. Revolutionäre Matrosen, unbekannte Kosmonauten und mit Wodka flambierte Püppchen sind angekündigt. "Richtiges", also nicht ganz so entgrenztes Theater, gibt es natürlich auch. "DeGater ´87" zeigt ihre Gertrude-Stein-Produktion "Die Welt ist rund". Zwei Figuren, Rose und Willi, messen in einem aus einem Wald schwarzer Tafeln bestehenden Raum in immerwährenden Kreisbewegungen die Welt aus. "blackSKYwhite" aus Moskau bauen eine Stadt als Röhrenlabyrinth in den Lindenpark, in dem weißgekleidete Monster schwarze Messen zelebrieren. Metall- und Elektronik-Schrott sowie seinen eigenen Körper fügt der kroatische Philosoph und Performer Damir Bartol Indos zu einer riesigen Mensch-Maschine zusammen. Francis Bacon, dem Maler, der Menschen als Fleisch sichtbar gemacht hat, spürt die Gruppe "Agar" aus Turin nach. Als absolutes Highlight bezeichnet der künstlerische Leiter des Festivals, Jens-Uwe Sprengel, die Budapester Tanztheatertruppe von Pal Frenak. "Tricks & Tracks" sei ein schonungsloses, ästhetisch den internationalen Modezirkus aufgreifendes, durch seine Kälte aber ätzendes Abbild der von Begierden überfluteten Laufstege der Welt. Weil "unidram" aber doch nicht nur auf die Bühnen von Waldschloss, Lindenpark und Hans-Otto-Theater gedrängt werden kann, gibt es noch Ausläufer in der Stadt: Die Audio-Installation "world in a box" zweier Studenten des Gießener Theater-Instituts am Nauener Tor, die Tanz-Musik-Performance "Transformational Aspektra" in den Bahnhofspassagen sowie die inszenierte polnische Hochzeit vom Teatr Strefa Ciszy in der Lindenstraße. Insgesamt zeigt "unidram" 19 unterschiedliche Produktionen.
Die meisten Künstler sind die gesamte Woche über anwesend. Damit verleihen sie dem Festival den Charakter lebendigen Austausches und nicht nur einer beliebigen Abspielstätte, wie es sonst häufig der Fall ist.
"unidram 2002", 1.-8.6., Potsdam, Infos: 0331-719139, www.unidram.de, Karten: 10/6 Euro, Tageskarte (zwei bis vier Veranstaltungen) 21/13 Euro, fifty/fifty-Festivalpass: 35/20 Euro (berechtigt zu 50% Ermäßigung für alle Einzelveranstaltungen)
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"zitty", 12/2002
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