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Festival-Prolog
Morgen Partystimmung bei Der Langen Nacht vor Unidram (31.5.02)
von Heidi Jäger

Am morgigen Sonnabend gibt es ab 21 Uhr im al globe "Die Lange Nacht vor Unidram". Damit startet das 9. Osteuropäisch-Deutsche Festival für Off-Theater schon einen Tag vor seinem offiziellen Beginn. Bei diesem Vorspiel wird die Gruppe "Axe" aus St. Petersburg mit hemmungslosem Tanz und "Medizin nach Noten" durchs Publikum wirbeln. Auf riesigen Filzwänden malen die liebesleiderprobten Akteure Maxim und Pasha ihre Bilder. Die zeitlos-visionären Theateraktionen erinnern an die Manier revolutionärer Matrosen. Sie schaffen und zerstören, versuchen das "Erhabene" mit dem "Niedrigen" zu vereinen. "Mit ihren skurrilen Objekten und absurden Aktionen scheint sich Axe in die Zeit der Stummfilmkomiker zurück zu katapultieren. Man muss es sehen, um es zu begreifen," frohlockt Jens-Uwe Sprengel von DeGater`87, dem veranstaltenden Unidram-Verein. Zu einer richtigen Eröffnungsparty gehört natürlich auch Musik, und dafür wurden die Grenzwandler Kriwi angeheuert, die zwischen NewFolk und Avantgarde ihre Kreise ziehen. Nach dem Liveact legt DJ Stephan Guther für die unermüdlichen Partylöwen seine schwarzen Scheiben auf.
Mit ministeriellen Worten von der Schirmherrin Johanna Wanka geht es dann am Sonntag in den eigentlichen Festivalreigen, den die Veranstalter mit ihrer Eigeninszenierung "Die Welt ist rund" anführen. 19 Inszenierungen, die aus über 150 Bewerbungen herausgefiltert wurde, harren eines aufgeschlossenes Potsdamer Publikums. Und das kann in diesem Jahr einen Tag länger Festivalatmosphäre schnuppern, denn auf den "blauen Montag" wurde verzichtet. Stattdessen steht der Wochenbeginn ganz im Zeichen des Tanzes, lässt sich u.a. die erst einjährige Gruppe "Karman" aus Litauen auf einen "Kampf mit der Schwerkraft" ein. Als sehr leise, aber auch sehr intensive Tanz-Musik-Performance kündigt Sprengel die Inszenierung "Tipke" an: ein Gastspiel der slowenisch-englischen Gruppe "Rauch/Sweeney". Tipke zeigt, wie dadaistisch die Begegnung zwischen zwei Menschen und einem Klavier sein kann. "Obwohl nicht viel passiert, und nur aus einer Perspektive gefilmt wurde, saß ich wie gebannt vor dem Video, das uns die Gruppe zusandte," wirbt Sprengel für dieses feingesponnene Stück. Wer für die Aufführung von Pal Frenaks "Tricks & Tracks" noch Karten haben möchte, muss sich bereits sputen. Das mehrfach ausgezeichnete ungarische Tanztheater gehört zu den Festival-Highlights und stellt seine neue Inszenierung zum ersten Mal in Deutschland vor. "Tricks und Tracks ergießt sich wie ein Säurebad über die gesellschaftlichen Verhältnisse, über das ständig im Wandel begriffene hektische Europa. Ätzend drängen sich gnadenlos-brutale Bilder auf und schlagen Wellen aus Wut und Verzweiflung", beschreibt das ansprechend gestaltete Programmheft diese am 4. Juni in der Reithalle A zu sehende Aufführung.

Sehr zum Verdruss von DeGater`87 kann die tschechische Performance "Transformational Aspektra", die in einem Prager Jugendstil-Café bereits erfolgreich läuft, nicht in den Bahnhofspassagen gezeigt werden. "Wir erhielten keine Erlaubnis." Jens-Uwe Sprengel ist enttäuscht über die ignorante Haltung des Passagen-Betreiber, die angeblich das Für und Wider abgewogen und sich schließlich "für das Wohl ihrer Kunden" entschieden hätten. "Dabei ist diese Performance ein völlig überschaubare Aktion, für die wir keinerlei Unterstützung benötigt hätten - und bei der auch keine Eier geworfen werden." Die Performance wird trotzdem stattfinden: Nun aber open air im Lindenhof (Montag und Dienstag, jeweils 17 Uhr).

Mitten in der hektischen Festivalvorbereitung ging es bei einem Treffen mit Vertretern der Stadt um das Unidram-Jubiläum im kommenden Jahr. Das soll in der Reithalle B in der Schiffbauergasse stattfinden. Dazu bekannte sich, so Sprengel, auch Beigeordnete Gabriele Fischer. Doch bis dahin muss das Grundstück noch von der Stadt gekauft und die Halle saniert werden. "Die Zeit dürfte knapp werden", warnte Gerhard Meck vor zu großer Euphorie.

Mit der Reithalle hofft T-Werk auf eine Übergangslösung, um für immer den Fuß in die Schiffbauergasse zu setzen. "Wir wollen uns nicht auseinander dividieren lassen", reagiert Jens-Uwe Sprengel auf Bemühungen des Lindenparks, die Gruppe Havarie weiter in Babelsberg zu halten. Die Räume im Waldschloss seien für Theater ungünstig, zudem in einem schlechten Zustand und mit 30000 Euro Miete im Jahr auch zu teuer.
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"PNN", 31.05.2002
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