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UNIDRAM sucht in seiner neunten Auflage nach neuen Bühnenwegen
unidram 2002 zeigt anregendes Gegenwartstheater
von Dirk Pilz

"Ich bin für eine Kunst, die etwas anderes tut als in einem Museum auf ihrem Arsch zu sitzen." Der - zugegeben etwas derbe - Satz, stammt von Cleas Oldenburg, einem der Hauptvertreter amerikanischer Pop-Art. Die Ironie der Geschichte will es, dass Oldenburgs Kunst einstweilen bestens in den Museen der Welt aufgehoben ist. Die Archivare haben den Gestus des Wider- und Aufbegehrens in ihre Kataloge aufgenommen. Und mundtot gemacht.

Und also ist alles Bürsten gegen den Zeitgeist von vornherein ein nutzloses Unterfangen? Nicht unbedingt. "Bitte mehr guten Fußball im Theater" hat Bert Brecht dem Sog der Vereinnahmung einst entgegengehalten. Will heißen: "Man muss schon ein Anliegen haben, wenn man etwas Besonderes darstellen will," wie Frank Castorf, Intendant der Berliner Volksbühne, kürzlich angemerkt hat. "Ich glaube", so Castorf weiter, "die Experimente, die wir theatermäßig in den letzten Jahren gemacht haben, zeigen, dass die Leute ein Interesse an dem Außerordentlichen haben."

Außerordentliches? Das meint den Willen zum Besonderen. Im (guten) Fußball ist es der unbedingte Wille im Sieg, im (guten) Theater der unbedingte Wille, quer zu den Zeiten zu stehen. Unidram, das Osteuropäisch-deutsche Festival für Off-Theater, probt diesen Willen seit nunmehr neun Jahren in Potsdam. Immer im Frühjahr ruft das inzwischen renommierte Festival für eine Woche innovatives Theater in die zentralen Spielstätten Waldschloss und Lindenpark, das sich an neuen Bühnensprachen versucht.

Es ist ein Laborfestival, das auf keine ästhetische Linie zu bringen ist. Die Idee dieses Potsdamer Theatertreffens, veranstaltet von DeGater '87, verbietet standardisierte Wahrnehmungs- und Beschreibungsmuster. Irritation, Befremden und Bruch mit Seh- und Verstehensgewohnheiten sind Programm. Unidram sucht sein Besonderes in der Verunsicherung des Publikums - und glaubt damit an die Kraft wenig beschrittener Bühnenpfade. Allerdings, jede Innovation bleibt einem unüberwindbarem Relativismus verhaftet, das Neue kann auch alt aussehen.

Gerade darüber aber will Unidram einen länder- und bühnenübergreifenden Dialog führen. Alle Teilnehmer bleiben deshalb die Woche über vor Ort, das Publikum wird in Diskussionen gezielt einbezogen. Die täglichen Gesprächsrunden des nachmittags und das Theater-Nacht-Café im Waldschloss sind ihr angestammter Ort, über die 19 Inszenierungen aus 11 Ländern ins (Streit)Gespräch zu kommen. In manchem kann dabei an vergangene Jahre angeknüpft werden: "blackSKYwhite" aus Moskau gastiert wiederholt mit seinem exzentrischen Körpertheater, die "Bladder Circus Company" aus Budapest war ein Highlight des vergangenen Jahres und die Petersburger Gruppe "Axe" ist dem Potsdamer Theaterpublikum längst keine Unbekannten mehr.

Dieses Jahr gestalten sie am kommenden Samstag "Die lange Nacht vor Unidram" im al globe auf der Charlottenstraße. Erstmals wird in das Festival hineingefeiert, mit einer Party und dem mobilen Axe-Clubabend "Plug i Play". Neben den Live-Konzerten, einer Piroggenparty und Open-Air-Theater in der Innenstadt darf man heuer vor allem auf die Company "Cie. Pal Frenak" aus Ungarn gespannt sein: Eine deutsche Erstaufführung wuchtigen Tanztheaters, das in der Reithalle A zu erwarten ist. Eines wird nach der anregenden Theaterwoche sicher festzustellen sein: Unidram bleibt seinem Anliegen treu - es ist ein Festival, das voller Überraschungen steckt

Potsdam 2.-8. Juni, Karten unter 0331/71 91 39 oder www.unidram.de
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"MAZ", 31.05.2002
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