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Antike Tragöde mit Geisha ...
... und ein Tor für Potsdam: Osiris Coverage eröffnet Unidram
von Ulrich Crüwell
Während in Kneipen und Lauben Gerade der erste Streich von König Otto auf den Bildschirmen flimmert, konnte in der Reithalle das Spiel nach dem üblichen Eröffnungszeremoniell endlich losgehen. Zum Kick-Off von Unidram adaptierte das Budapester Ensemble Artus die Legende von Osiris und Isis mit viel Spielwitz und Temperament - auch wenn eindeutig zu wenig Tore fielen. Der Auftakt von Unidram begann mit Osiris Coverage dennoch vielversprechend. Eine Geisha saß fest installiert in einem japanischen Fernsehstudio und fiepte vor sich hin, um ab und zu die Protagonisten der antiken Familientragödien zu interviewen, in der ein Machtbesessener den eigenen Bruder ermordet. Der Grund ist nachvollziehbar: Osiris ist König. Sein Bruder will nicht länger in dessen Schatten stehen und tötet ihn mit einem unglaublichen Trick. Isis, die Frau von Osiris, trauert und nur ihr übersinnlicher Hund steht ihr bei. Bei einem Kaffeekränzchen mit ihrem toten, aber auf der Bühne quicklebendige Mann, empfängt sie das Kind Horus. Das Ensemble um Gabor Goda lässt die beiden gerade noch in Ruhe Kaffee trinken, schon werden sie in Plastiksäcken eingeschweißt, so dass einem Angst und Bange um die Schauspieler wird. Fortan sind sie nackt und müssen zum demütigenden Interview mit der Geisha. Dort können sie nur noch grunzen, was die Medienfrau freuen kann, denn das Spektakel ist um so größer. Der mediale Irrsinn japanisch-ungarischer Art setzt sich fort im Bühnenbild, das die Innenarchitektur japanischer Restaurants mit ihren transparenten Schiebetüren zitiert. Die Bilder der Inszenierung sind stark wie rätselhaft. Schattenspiele in denen kleine Menschen von einem Buchhaltertypen verbrannt werden erzählen vom Verfall. Ein livrierter Hundemann schießt mit einem Gewehr Fotos von der mörderischen Familienbande, die sich schwarze Augenklappen vors Gesicht hält. Ein Archäologe kommt dank eines Spazierstocks einem rätselhaften Fund auf die Spur und legt frei - irgendetwas. Jede Szene ist eine Analogie zum zentralen Thema, steht selbstbewusst im Leporello des Ensembles. Das Problem ist das zentrale Thema. Das Stück ist sperrig, es gibt Momente, da flüchtet sich so mancher gedanklich nach Portugal, doch dann wird er durch wunderbare Tanzeinlagen belohnt für die Entscheidung gegen das schnöde Gekicke. Zauberhaft, wenn Isis in schwebenden Tanz die Geburt ihres Kindes darstellt. Nach dem Stück ist vor dem Buffet. Als sich der Applaus im Saal gelegt hatte, lud Thomas Pösl das Publikum kollektiv zum Essen ein. Pösl, der mit Jens-Uwe Sprengel das Festival für osteuropäisches Off-Theater leitet, verblüffte in seiner Eröffnungsrede die Anwesenden bereits mit der Durchsage des aktuellen Spielstandes. Wissenschaftsstaatssekretär Christoph Helm erklärte, dass die Finanzierung von Unidram für die nächsten Jahre gesichert sei -Tor für Potsdam.
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MAZ, 14.06.2004
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