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Mörderischer Spaß
... und ein Tor für Potsdam: „Osiris Coverage“ eröffnet Unidram
von Ulrich Crüwell

Die 11. Ausgabe von Unidram entpuppt sich an neuer Spielstätte zu einem hochinteressanten Labor des internationalen Off-Theaters. Das nimmermüde Publikum strömte Sonntagabend in Scharen, um ein abwechslungsreiches Programm zu bestaunen. Zuerst wurde auf der einen Bühne ”Macbett” aus der Versenkung gehoben, ein ironisches Macht- und Intrigenspiel von Eugene Ionseco. Danach ließen Studenten der Kunstakademie Minsk auf der zweiten Bühne die Puppen tanzen. ”Macbett” war ein mörderischer Spaß, der von einem Ensemble hochtalentierter Schauspieler aufgeführt wurde. Wie in Shakespeares ”Macbeth” eifern in Ionescos Groteske die Protagonisten um Macht und schrecken selbst vor blutigen Massakern nicht zurück. König Duncan (Fanny Staffa) ist ein wunderbar grausamer Lakai der eigenen Machtgeilheit, der mit rethorischem Dauerfeuer seine willigen Gefährten um sich schart. Anders als bei Shakespeare morden Ionescos Figuren ohne rechte Motivation. Es sind die Ereignisse, die die Menschen beherrschen, ein Mord folgt dem nächsten und die Raserei nimmt einen absurden Verlauf. Macbett (Sanne Schnapp) ist von der eigenen Raserei leicht überfordert. Die Schauspielerin sieht in ihrem Elfenkleid aus wie eine überschminkte Jahrmarktfigur. Mit kleinen Gesten spielt sie einen Macbett; dem das mörderische Gemetzel schrecklich leid tut. Sie wirkt inmitten des rethorischen Irrsinns von Duncan und Banquo wie ein beim Schummeln ertapptes Schulkind. Applaus.
Das Puppenspiel ”Eternal Song” nach einem Gedicht (1908) von Yanka Kupalas hatte realpolitische Dimensionen. UrsprüngIich wollte Alexei Lieliavsky das Stück am staatlichen Puppentheater realisieren, doch das Kultusministerium wusste dies zu verhindern, vermutlich aus politischen Gründen. So realisierte der Professor das Stück mit Studenten. Das Ergebnis: eine epische Reise durch manchmal liebliche und manchmal düstere Bilder.
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„MAZ“, 15.06.2004
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