|
- - - - - - - - - - - - -
Grausig, kitschig, magisch Australisches Figurentheater begeistert / Rund 1400 Unidram-Besucher
von Ulrich Crüwell
Zahlen sind relativ, ganz besonders Besucherzahlen. 1200 vielleicht auch 1400 Menschen haben die Unidram-Vorstellungen bislang besucht. Das hört sich vielleicht nicht viel an, ist aber eine beachtliche Zuschauerzahl nach fünf Tagen in den eher kleinen Bühnenräumen des T-Werks in der Schiffbauergasse. Am Donnerstag Abend ist jeder Stuhl besetzt, die Stimmung wie elektrisiert: Heute tritt das Black Hole Theater aus dem fernen Australien mit seinen Puppen zum ersten Mal in Deutschland auf. Das unermüdliche Team von Unidram eröffnet mit ein paar Kissen neue Sitzreihen und der Saal füllt sich rekordverdächtig. Caravan bloody hole fiction heißt das Stück der Australier und die Inhaltsangabe hat offenbar wie ein Magnet gewirkt, denn die Beschreibung kündet von Mord und Totschlag und natürlich Sex. Pulp Fiction sind die spannenden Geschichten aus Groschenromanen, die hierzulande nur heimlich gelesen werden. Die Australier bedienen sich der konventionellen Erzählmuster dieser herrlichen Geschichten und schaffen mit ihren Bühnebildern eine zeitlos brutale Geschichte im Zirkusmilieu, die einen an diverse Kinogeschichten erinnert. Aber anders als im Kino haben die brutalsten Szenen dank der Puppen eine heitere Übersetzung. Dem Publikum tut man aber unrecht, behauptet man, die reißerische Inhaltsangabe sei der Grund für den Andrang. Figurentheater sei in den letzten Jahren regelmäßig ein Renner gewesen, erklärt Jens-Uwe Sprengel, einer der Festivalleiter, die Vorlieben der Off-Theaterfestival-Besucher. Figurentheater habe sich wegen der guten Resonanz im Programm immer mehr durchgesetzt und Sprengel verweist auf die diesjährigen drei Inszenierungen, in denen die scheinbar so kindlichen Puppen die Hauptrollen spielen. Aber nicht nur die Potsdamer scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein.
Die Australier sind mit ihren Puppen bereits in Irland, England und Hong-Kong aufgetreten und Donnerstag endlich auch in Deutschland. Nicht nur wegen des inoffiziellen Besucherrekords war Caravan einer der Höhepunkte in diesem Jahr; es war einfach unterhaltsam, aber auch grausig und manchmal kitschig und dann wieder magisch.
- - - - - - - - - - - - -
|
|
|
- - - - - - - - - - - - -
MAZ, 19.06.2004
- - - - - - - - - - - - -
|