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Fulminantes Finale des 12. Unidram
Abwechslungsreiche Festivalwoche
von Hanne Landbeck
Es war eine variationsreiche Woche, die das Festival für junges Theater in Europa Unidram den stets alle Ränge füllenden Zuschauern präsentierte. Skurriles, Abgründiges, Morbides wurde in Bild und Ton geboten, wobei der Ton hauptsächlich musikalisch war, da sich Gruppen aus acht europäischen Ländern ein Stelldichein gaben und dabei die Sprache immer ein Hindernis darstellt. Dies vorweg: die einzige Verbesserung, die man sich wünschte, wäre bei fremdsprachlastigen Darbietungen eine Übertitelung oder eine gesprochene Einführung.
Dass das möglich ist, bewies das Budapester Ensemble Cie. Two in One am Samstagabend sinnvoll mit den auf eine Tischdecke projizierten Übersetzungen. Die Mi-schung aus Tanz und absurdem Theater führte retro-stilisierend zurück in sozialistische Zeiten, und als gar vorher fabrizierte Pasta als Internationale dem stehenden Publikum präsentiert wurde, war abermals eines der gemeinsamen Merkmale fast aller Vorführungen erfüllt: Skurrilität und Ironie, meist gemischt mit einer Prise Poesie, die ab und an durchaus verzaubern konnte.
So unterschiedlich auch die Ästhetiken der Puppen-, Tanz- und Bildtheater waren, immer spielten sie auf individuelle Weise mit Versatzstücken der Realität. Dieser, so scheint es, nähert man sich inzwischen hauptsächlich ironisierend und bekannte Kunstformen verändernd. Postmodernes allerorten. Ob es sich um die Neudefinition griechischer Klassik nach Euripides durch die italienische Compagnia Vicolo Corto, die vom Till-Eulenspiegel-Mythos inspirierte Schrott-Spielerei einer Minsker Gruppe oder um das Warum-Forellen-Quartett aus der Schweiz handelte - mit spielerisch überbordender Lust nahm man sich das alte Kulturgut, um es in dramatische oder witzige aktuelle Szenen zu gießen.
Themen wie Liebe, Tod und Teufel kamen selbstverständlich ständig vor. Dabei wurden an das Publikum hohe Ansprüche gestellt. Es war ein Wechselbad der Gefühle, das man während der Festival-Woche erlebte. Durch unbezwingbare Dunkelheit in Unsicherheit versetzt, fühlte man am Dienstagabend in dem wohl extremsten Stück Passing away die Unendlichkeit des Sterbens, um aber zum Finale am Samstag wieder in ein wunderbares Leben zurückgeholt zu werden. Da nämlich zeigte der hervorragende Sommernachtstraum - reorganisiert (Figurentheater Wilde & Vogel und Christoph Bochdansky), wie scheinbar leicht es möglich ist, den Mond anzuhimmeln und auf einer surrealistisch organisierten Bühne durch Elfen und sich selbständig machende Gnomen heiteres Erschrecken zu erleben, das nicht allein daher rührte, dass zu Beginn und am Ende des Stückes in einer Kreisbewegung der Befehl heiraten! an alle Athener erteilt wurde. Vielleicht wurde diese Order anschließend von einigen Besuchern befolgt - dieses Festival war nämlich nicht nur eine Feier der Sinne, der Poesie und natürlich des Theaters, sondern auch des internationalen Treffens - nicht nur der Theaterleute.
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MAZ, 01.11.2005
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