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Junges Europäisches Theater bei Unidram
Kassandrarufe
von Dirk Becker

Was bleibt ist die Gewissheit, dass dieser Krieg nicht nur die Männer tötet. Troja ist gefallen, und Königin Hekabe, die Seherin Kassandra, Hektors Witwe Adromache und Polyxena warten. Auf die Sklaverei oder den Tod. Dieses Warten, die Anspannung vor dem Unabänderlichen, die gleichzeitig ein stumme Klage gegen den Wahnsinn des Krieges ist, verarbeitete Euripides vor über 2400 Jahren in seiner Tragödie „Troerinnen“. Beim diesjährigen Unidram, dem Festival für junges Theater in Europa, erheben Hekabe, Kassandra, Andromache und Polyxena erneut ihre stumme Klage.

Die Compagnia Vicolo Corto aus Italien wird mit dem Stück „Donne in Tempo di Guerra“ (Frauen in Zeiten des Krieges), basierend auf Euripides, das Festival eröffnen. Zehn Tage lang gibt Unidram jungen, noch relativ unbekannten Theatergruppen die Möglichkeit, sich in Deutschland vorzustellen. Während in den letzten Jahren vor allem großflächige Filmleinwände und Videoinstallationen dominierten, rückt im zwölften Jahr von Unidram wieder das unverfälschte Spiel in den Mittelpunkt.

Auf der einen Seite steht die emotionale Auseinandersetzung mit Themen wie Krieg und Exil, die Theatergruppen wie die Compagnia Vicolo Corto oder Tart Produktion aus Stuttgart in ihrem „Mary Stuart: Ein tödliches Casting“ beschäftigen. Daneben gibt es clowneske Stücke wie „Dias de las Noches“ vom Teatr Novogo Fronta aus Prag oder das Bildtheater „Superman“ der Schweizer von Numero 23, das Männer-Klischees bedient. Im Anschluss an viele der Vorstellungen sind Publikumsgespräche geplant.
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„Der Tagesspiegel“, 20.10.2005
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