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UNIDRAM: Die Post-Eisenbahn
Tschechisches Nebelwerfen beim Theaterfestival in der Schiffbauergasse
Von Hanne Landbeck

In die vergangene Welt der Eisenbahnen wollten sie die Zuschauer bringen, stand auf der Ankündigung der Performance „Trains“ der Gruppe Handa Gote (Lötkolben) aus Prag. Im Künstlergespräch erläuterten die drei Darsteller und Musiker Robert Smolik, Tomás Procházka und Leos Kropácek dann am Donnerstagabend noch einmal ihre treue Verbindung zu der Zeit, als die Bremsen noch quietschten, die Züge rosteten und die Weichen noch von Hand gestellt wurden. Dem Spektakel allerdings war nicht viel Nostalgie zu entnehmen. Der Soundtrack beschwor die Idylle vergangener Tage herauf, wurde aber mit schweren Rhythmen kombiniert.

Die Videos, die auf drei Leinwänden immer mal wieder fahrende Züge, rostige Eisenteile, vorbeihuschende Landschaften, Toilettensymbole und Fahrpläne zeigten, zitierten ihren eigenen Text. Hypermoderne Dramaturgie also, die ohne Höhepunkte auskam und von den Darstellern als „postdramatisch“ bezeichnet wurde. So dümpelte das Stück fast eine Stunde ohne große Spannung dahin. Die Überraschung über die werkstattähnliche Bühne, Helm tragende Männer, einen dampfenden (Wasser-)Kessel und die Nebelschwaden, die ständig die Bühne überwaberten, hielt nicht lange vor. Der Sound war ein Design aus „Industrial“ und „Noise“ (Krach), laut und ergänzt von Eisen(bahn)instrumenten, die live bearbeitet wurden. Zwei harfenähnliche Gestelle brachten die Musiker dazu, auf ihnen herum zu streichen. Minischienen waren im Rechteck auf die Bühne gelegt, eine Minibahn fuhr, ein Selbstmörder legte sich auf die Schienen, erst auf den Bauch, dann auf den Rücken, bis er es sich anders überlegte und aufstand, um mit seinem Kollegen an der Miniatur-Bahnhofsstation zu sprechen. Schief hingen die Minimänner an langen Strippen, extrem schief, aber das Schräge machte ja den Charme der Aufführung aus. Eine Kamera übertrug die Bilder auf die Leinwand, das Gespräch ergab keinen Sinn, dann schneite ein Schauspieler weißes Pulver auf den Bahnhof, der wohl sinnbildlich für den Ausverkauf der guten alten Eisenbahn stand. Am Ende wurden Zug-Traumdeutungen auf Englisch verlesen – schlecht in schlechtem Englisch, aber das gehörte wie alle anderen (fahr-)lässig dargebotenen Elemente zur postdramatischen Nichtdramaturgie. Das Publikum applaudierte begeistert.

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„MAZ“, 08.11.2008
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