HomeNewsProgrammFestivalTicketsStatusArchiv



 »» News »» Ausschreibung »» Presse »» Artikel

Seminar im Bühnenraum
UNIDRAM-Mitorganisator Thomas Pösl über das internationale Theaterfestival

UNIDRAM-Mitorganisator Thomas Pösl über das internationale Theaterfestival
Schon sind sie wieder verschwunden, die grünen Fabelwesen, skurrilen Klangmaschinen, poetischen Schattenbilder und grellen Lichtgestalten des 17. Internationalen Theaterfestivals UNIDRAM am Kulturstandort Schiffbauergasse. Alljährlich im Herbst veranstaltet das T-Werk gemeinsam mit der Universität dieses ambitionierte Theaterfest, bei dem diesmal 15 Ensembles aus elf Ländern zu Gast waren. Über die Ausstrahlung des Festivals und Querverbindungen zum Studienalltag sprach Antje Horn-Conrad mit Thomas Pösl aus dem Organisationsteam.

Gerade sind die Erstsemester der Universität am Kulturstandort Schiffbauergasse begrüßt worden. Dort, wo jedes Jahr auch UNIDRAM stattfindet. Herr Pösl, wie sind Ihre Erfahrungen: Wird das Festival von den Studierenden angenommen?

Es gibt keine konkreten Erhebungen, aber es ist schon ein sehr junges, theaterbegeistertes und anspruchsvolles Publikum, das sich von den Inszenierungen angezogen fühlt. UNIDRAM spielt ja so etwas wie eine Vorreiterrolle, wenn es darum geht, Studierende an die Schiffbauergasse zu locken. Das Festival war vor Jahren die erste große Veranstaltung auf dem Areal, an der sich die verschiedenen Kulturhäuser beteiligt haben. Das war beispielgebend. Events wie die kürzlich veranstaltete „Stadt für eine Nacht“, in der sich auch Wissenschaftler der Universität präsentierten, und jetzt die Erstsemesterbegrüßung helfen dem Standort natürlich, sich zu entwickeln und Publikum zu gewinnen. Andererseits tragen sie mit dazu bei, die Attraktivität Potsdams als Studienort insgesamt zu erhöhen.

Welche Bedeutung hat ein Theaterfestival wie UNIDRAM für die Studierenden?

Als es 1994 ins Leben gerufen wurde, verfolgte die Universität damit die klare Absicht, zur kulturellen Bildung der Studierenden beizutragen. Was im Studienalltag oft zu kurz kommt, sollte hier einmal im Jahr konzentriert und exemplarisch möglich sein. Außerdem ist es ein internationales Festival, das den interkulturellen Austausch befördert. Es gibt rund um die Inszenierungen zahlreiche Diskussionsforen, Workshops und auch Partys. Viel Raum für Begegnungen mit Kreativen aus anderen Ländern.

Sind denn Studierende in die Vorbereitung des Festivals einbezogen?

Natürlich. UNIDRAM bietet einen idealen Ort, um Praxiserfahrungen zu sammeln. Vor allem Studierende der Kultur- und Medienwissenschaften und der Germanistik nutzen das Festival als Praktikumsgelegenheit. Sie helfen in der Presseund Öffentlichkeitsarbeit oder auch im Veranstaltungsmanagement. Das ist gewinnbringend für beide Seiten. Und wirkt auch in die Lehre an der Universität zurück.

Inwiefern?

Im Institut für Künste und Medien zum Beispiel. Dort gibt es alljährlich bei Dr. Hans-Christian Stillmark ein Begleitseminar zu UNIDRAM, in dem die Studierenden ihre theatertheoretischen Kenntnisse zur Praxis in Bezug setzen können. Sie besuchen einige Vorstellungen, beurteilen die Inszenierungen und schreiben dazu Seminararbeiten, die anschließend auf der Website des Festivals veröffentlicht werden. Eine zweite sehr erfolgreiche Querverbindung zur Lehre bilden die Schauspiel-Workshops, die der T-Werk-Chef und Mitorganisator des Festivals Dr. Jens-Uwe Sprengel mit Lehramtsstudierenden durchführt.

Schauspielunterricht für angehende Lehrer?

Dabei geht es vor allem um den bewussten Einsatz von Körpersprache und Präsenz im Unterricht. In den Übungen reflektieren die künftigen Lehrer ihre Wirkung, die sie entfalten, wenn sie vor einer Klasse stehen. Das hilft Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Bislang wird dieses Angebot vor allem von der Mathematikdidaktik angenommen. Es ließe sich aber ohne Probleme auch auf andere Fächer ausweiten.

Es ist auffallend, dass Studierende heute kaum noch Theater spielen. Als UNIDRAM entstand, war das anders. Sie selbst gehörten damals zur studentischen Theatergruppe DeGater 87.

Offensichtlich bietet das Studium heute weniger Freiraum für die Theaterarbeit. Man muss sich in dem sehr dicht organisierten Studienalltag ja regelmäßig mit anderen treffen können, um zu probieren. Wenn dann noch Jobs dazu kommen, ist das fast unmöglich.

Sehen Sie für mehr Kulturarbeit an der Universität dennoch Möglichkeiten?

Ich würde gern die Arbeitsbeziehungen mit dem Bereich Musik verstärken. Auch im Institut für Künste und Medien könnten noch weitere Projekte entstehen, um die kulturelle Bildung des akademischen Nachwuchses wieder etwas stärker in den Studienalltag zu integrieren.

von Antje Horn-Conrad



- - - - - - - - - - - - -
„portal“, 04.2010
- - - - - - - - - - - - -