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Von der Beklemmung zur FreiheitTheaterfestival Unidram startet heute
POTSDAM - Den Weg nach Brandenburg kennen Viliam Docolomanský und sein Ensemble „Farm in the Cave“ längst. Zum dritten Mal gastiert das tschechische Tanztheater beim Internationalen Theaterfestival Unidram. Heute Abend gibt es den Auftakt für die 18. Auflage der Veranstaltung.
Längst ist aus dem ehemaligen Studentenfestival der Ort in Brandenburg geworden, an dem sich jährlich professionelle Off-Theatergruppen aus ganz Europa treffen. Dieses Jahr sind es 13 Projekte aus sechs Ländern, die sich bis Sonntag am Kulturstandort in der Schiffbauergasse präsentieren. Was an Tanz, Bewegungstheater und Puppenspiel gezeigt wird, ist in sieben Fällen eine Deutschlandpremiere. Das gilt auch für das Eröffnungsstück „Divadlo“.
Für dieses Projekt musste Regisseur Viliam Docolomanský eine weit größere Distanz überwinden als die zwischen Prag und Potsdam. Dreieinhalb Monate reiste der 36-Jährige durch den Norden Brasiliens, um sich für eine neue Choreografie zu inspirieren. „Divadlo“ ereignet sich vor dem Hintergrund der Kolonisation von Südamerika und spielt mit der Begegnung von Einheimischen und Eroberern. In den ländlichen Regionen Brasiliens sammelte er mit Rhythmen und Tänzen Ideen für die Ausgestaltung seiner Vision.
Gefunden hat Docolomanský eine Melange einheimischer Klänge mit musikalischen Strömungen aus Europa und Afrika. „Diese Mischung schafft extreme Lebendigkeit“, sagt der Regisseur. Verglichen mit dieser Kultur erscheine ihm die europäische Natur beinahe tot, spitzt er es zu. Auf der Bühne zeigt sich diese Vitalität in Form bunter Kostüme, dynamischer Bewegungen und trommellastiger Melodien. Abseits der Bühne geben die Musiker den Takt der Handlung vor. Diese Show solle zur Metapher der persönlichen Freiheit werden, kündigt der Regisseur an.
Der Gegensatz von Freiheit und Gefangenschaft begegnet ebenfalls in anderen Teilen des Festivals. Eingesperrt in einen Anzug aus „Latex“ wird sich die Berliner Künstlerin Maren Strack zeigen. Isoliert vom Publikum und nah zugleich soll Anna Konjetzky sein, die im Kurzstück „Abdrücke“ ihr Dasein in einem Glaskubus fristen wird.
Vor fünf Jahren waren „Farm in the Cave“ das letzte Mal in Potsdam zu Gast damals mit „Waiting Room“. Docolomanský entführte auf einen slowakischen Bahnhof; thematisierte die Deportation von Juden im Zweiten Weltkrieg. Mit diesem und anderen Stücken war das Ensemble auf zahlreichen europäischen Bühnen zu sehen. Mehrere Preise erhielt der 36 Jahre alte Regisseur bereits für seine Produktionen.
Trotz dieser Erfolge schätzt Viliam Docolomansky´ noch immer die kleinen Festivals. An Unidram reize ihn die Nähe zur Heimat, die Organisation und die Dramaturgie der Veranstaltung. „Ich bin froh, dass es solche Festivals überhaupt noch gibt“, so der Regisseur. Vor dem Hintergrund sinkender Kulturförderungen seien solche Ereignisse nicht mehr selbstverständlich. Und gerade auf der Bühne findet er den Raum, um Themen durch Bewegung eine Bedeutung zu geben. „Das Theater ist der Platz, um Dinge zu fühlen, die man nicht mit Worten beschreiben kann“, sagt er. Sein Ziel für das diesjährige UnidramFestival hat er sich schon gesteckt: „Wir wollen die Herzen des Publikums erreichen.“
von Nadine Pensold
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„MAZ“, 02.11.2011
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