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Zwischen Gefangensein und Rebellion

UNIDRAM überzeugte erneut mit vielfältigem Programm

Morbider Waschsalon, verlassenes Kinderzimmer, Kellerverlies – Unterwelten, bevölkert von kuriosen, anarchischen Gestalten. Zwischenreiche, in denen Huftiere und Menschen auf märchenhafte Weise miteinander verschmelzen. Ein verspiegelter Glaskubus, darin eingeschlossen eine Frau, die manisch ihre Umrisse kritzelt, um sich selbst zu erschaffen und Spuren zu hinterlassen.

Isolation, Gefangenschaft, Verstoßenwerden und Ausgrenzung, aber auch Verwandlung, Rebellion und Erlösung waren die Themen des diesjährigen UNIDRAM-Festivals. Es fand vom 2. bis zum 6. November im T-Werk und auf den Bühnen von Waschhaus und Reithalle A auf dem Kulturareal Schiffbauergasse statt.
Das Festival, das in Kooperation mit der Universität Potsdam organisiert wurde, bot erneut ein Podium für freies Theater aus Mittel- und Osteuropa. Es schaffte Raum für Begegnung, für gewagte Experimente, für Menschen, die sich der Konfrontation unterschiedlicher Erfahrungen und Traditionen stellten und dafür spannende Momente vor und hinter der Bühne erlebten.

Die universelle Auferstehungsgeschichte „Die Alte und das Biest“ etwa, von der in Frankreich lebenden Deutschen Ilka Schönbein, stand neben dem interaktiven Untergangsszenario „Katastrophe“ der spanischen Compagnie „Agrupación Señor Serrano“. Die bizarren Wiedergänger in „Hilum“ von „Les Antliaclastes“ aus Frankreich trafen auf die zirzensische Tanzproduktion „Divadlo“ von „Farm in the Cave“ aus Tschechien, deren Thema die Kolonisation Südamerikas und die Aussöhnung zwischen Eroberern und Ureineinwohnern war. Kämpften hier die Körper wild entfesselt um Selbstbehauptung und Legitimation, so waren die Figuren in „Die Bakchen 2“ von „Und er libet“ aus Finnland in Innenwelten und Entfremdungsritualen gefangen und fungierten nur noch als statuarische Zeichen eines totalen Sinn- und Kommunikationsverlustes.

Wie tragisch und komisch zugleich einsame Nächte sein können, führte das Schweizer „OONA project“ mit seinen „Exotic Dreams“ vor. Das Stück ist eine Satire auf die Auswüchse der Unterhaltungsindustrie. Und inwieweit selbst Räume und Interieurs verschlüsselte Botschaften für das Drama im Menschen darstellen, zeigte „gruppo nanou“ aus Italien mit „Anticamera“. Es ist der dritte und abschließende Teil ihrer mysteriösen „Motel-Trilogie“.

Das diesjährige UNIDRAM-Programm verdichtete den schnellen Perspektivwechsel von Theater, Tanz und Performance auf erstmals fünf Tage. Im Rahmenprogramm wurden neben Objekttheater-Stummfilmen wie gewohnt theatralische Konzerte und Objektmusik von besonderem Raffinement präsentiert. Höhepunkte waren das Konzert mit dem bekannten Film- und Theaterschauspieler Lars Rudolph und seiner Band „Mariahilff“ und das „Konzert für weggeworfene Gegenstände und temperiertes Klavier“ des Belgiers Max Vandervorst.

von Thomas Pösl



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„Portal“, Ausgabe 3/2011
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