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Theaterfestival Unidram startet heute

Die 18. Ausgabe des internationalen Festivals „Unidram“ beginnt mit einem Kampf der Kulturen

POTSDAM / SCHIFFBAUERGASSE - Am Ende ist der Fast-Ehemann allein auf der dunklen Bühne. Vom schillernden, lauten, bunten Anfang bleibt nur eine fahle Erinnerung. „Divadlo“, zu deutsch: „Theater“, heißt das Stück, mit dem die Company „Farm in the Cave“ am Donnerstagabend das internationale Theaterfestival „Unidram“ eröffnete. Ist das alles nur Divadlo, nur Theater? Diese 75 Minuten lange Annäherung, dieser ungleiche Kampf zwischen amerikanischen Ureinwohnern und europäischer Kultur.

Mit ohrenbetäubendem Trommeln und klirrendem Geschrei stürmen Frauen in schrillen Satinkleidern zur Bühne der ausverkauften „Fabrik“. Sie rauchen und flirten im gelben Scheinwerferlicht. Doch diese Wilden sind nicht lang allein: Eine Klappe im Bühnenboden öffnet sich und bringt ein uniforme Gruppe zu Tage. Jeder solle Spaß haben, verkündet der Oberschnurbart in Hosenrolle dem Publikum – und bricht damit die Illusion. Er klemmt sich den Kopf eines Tänzers zwischen die Beine und wedelt mit dessen Pferdeschwanz, als wolle er die Doppeldeutigkeit des Wortes vor Augen führen. Doch die Komik wird abgelöst von Pistolenschüssen und von einem verzweifelten Stampfen der Ureinwohner.

Choreograf Viliam Docolomansky, der für das Stück dreieinhalb Monate in ländlichen Gebieten Nordbrasiliens recherchierte, kündigte an: „Ich möchte die Herzen der Zuschauer erreichen.“ Es passiert das, was kommen muss: Ein Mann und eine Frau der rivalisierenden Gruppen verlieben sich, sie glauben, Unterschiede überwinden zu können. Die Hochzeitsparty wird zur Farce. „Willkommen in der realen Welt! Wie gefällt Ihnen das?“, fragt die Braut, bevor sie ihren toten, kulturell entwurzelten Fast-Ehemann über die Bühne schleift.

Beinahe erlöst wirkt der Applaus nach dem Stück. Die Körperlichkeit von „Divadlo“ kann erschlagend sein. Doch weiter pilgern die Zuschauer zum Festivalzelt, um Docolomanskys Botschaft zu widerlegen, dass sich Unterschiede zerstören. Das Potsdamer Montagsorchester klemmt dort gerade Regenschirme an Kontrabass und Schlagzeug – die Feuchtigkeit ist im Zelt so hoch, dass Wasser von der Decke tropft. Zu Musik der Jazzlegende Benny Goodman und Dudelsackklängen kommen die Zuschauer ins Gespräch. Kulturmix funktioniert hier prächtig. Mit sechs Programmpunkten startet „Unidram“ heute ab 19 Uhr ins Wochenende.

von Juliane Primus



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„MAZ“, 04.11.2011
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