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Wortloses Wirken: Unidram

Das Festival „Unidram“ zeigt internationale Theatermacher
mit ungewöhnlicher Bildsprache

Können Gummibärchen Helden sein? Sie können. In der Theaterinstallation der katalanischen Agrupación Senor Serrano mutieren die niedlichen Süßwaren zu heroischen Versuchskaninchen. Sie werden chemischen Prozessen ausgesetzt, verdampfen und verschmieren bis zur völligen Auflösung. Dieser Vorgang wird gefilmt und auf die Leinwand projeziert. „Das beginnt als Kinderspaß und nimmt durch die filmische Übersetzung die Dimension von Großkatastrophen an“, erzählt „Unidram“-Mitorganisator Jens-Uwe Sprengel. Er freut sich spürbar auf diesen Untergang der Gummibärchenarmeen.

Gespannter noch sieht Sprengel dem Gastspiel der in Frankreich beheimateten, aber international aufgestellten Truppe Les Antliaclastes entgegen. Der kanadische Regisseur Patrick Sims, der einst mit dem legendären Bread & Puppet Theatre zusammenarbeitete, hat gemeinsam mit Josephine Biereye vom Brandenburger Wandertheater Ton und Kirschen diese Compagnie im Objekttheater-Paradies Frankreich gegründet. Bei der aktuellen Produktion „Hilum“ laden Zombie-Figuren, die wie eine Verschmelzung aus Insekten und Menschen wirken, zu einer Geisterstunde ein.

Les Atliaclastes und Agrupación sind typisch für die 18. Ausgabe des einst als Studententheaterprojekt mit enger Verbindung nach Osteuropa gegründeten Festivals. Inhaltlich geht es um das Ausloten von Katastrophenräumen, Randzonen und Territorien des Verdrängten. Neben den Performern spielen Puppen, Objekte und Installationen eine wichtige Rolle. Das Auge soll viel zu sehen bekommen.

Die Prager Gruppe Farm in the Cave eröffnet das Festival mit ihrer die erotischen Spannungen zwischen europäischen Kolonisatoren und den Kolonisierten des amerikanischen Kontinents auslotenden Performance „Divadlo“. Aber die „Unidram“-Kuratoren fanden diesmal die aktuellen Entdeckungen nicht in Osteuropa, sondern in Frankreich, Spanien, Italien und Skandinavien. Diskurstheater hat keine Chance in Potsdam. „Bei den Einladungen achten wir darauf, dass die Inszenierungen auch ohne das gesprochene Wort eine große Wirkung erzielen“, sagt Sprengel. So profitiert „Unidram“ von der in den letzten Jahren an Quantität und Qualität gewachsenen Figuren- und Objekttheaterszene, die in Berlin fast nur in der Schaubude eine Heimat hat. Von dort kommt Uta Geberts zauberhaftes Totenstück „Anubis“ zum Festival.



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„zitty“, Ausgabe 23/2011
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